20.3. - 16:00 - "Das ist krank!"

20.3. 16:00

 

Heute Früh habe ich geschrieben, dass ich nicht zum Arzt will, weil ich niemandem Angst zuhusten möchte. „Wegen anderen nicht zum Arzt? Entschuldige, aber das ist krank!“, hat eine Facebook-Freundin kommentiert. Natürlich finde ich nicht, dass sie (das) Recht hat (mich so abzukanzeln). Aber ich habe nachgedacht. Und fand tatsächlich etwas in mir, das „krank“ (im Sinne eines Denk- und Fühlfehlers) war. Einen seltsam vorauseilenden Krisen-Gehorsam. Kranksein, krankbleiben passt zur herrschenden Gefahrenstimmung. Kann ich mich da einfach heilen lassen? Ist Leiden nicht angemessener? Jetzt trinke ich Thymiantee. Wickle mich in Öl. Und habe begriffen: Krise ist, wo Krise ist, eh nicht zu vermeiden. Drumherum darf es mir gut, sogar richtig gut gehen.  

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Kommentare: 1
  • #1

    Regina (Samstag, 21 März 2020 10:13)

    Über diesen Eintrag habe ich lange nachgedacht.
    "Vorauseilender Krisen-Gehorsam" ist ein schöner Begriff, weil er zwei mit positiv verstärkenden Worten das negativ besetzte einrahmt.
    Vorauseilen ... das sind freudig vorlaufende Kinder oder ein Elternteil, das Weihnachten unter einem Vorwand schneller Zuhause ankommen wird und den Zauber vollbringt, dass der Christbaum in der doch leeren Wohnung leuchtet : Das Christkind war da!
    Gehorsam, das waren/sind die gut erzogenen, die folgsam braven, die nicht lästig fallenden, aufmerksamen, lieben Kinder.
    Krise/n - meine Güte! Krise/n sind Herausforderungen, die doch immer zu unpassender Zeit entstehen, denen wir uns stellen müssen, die wir nur mit "kühlem Kopf", besonnen und ggf. tapfer überwinden.
    Das Eine leicht, das Andere schwer und dann denke ich: Ja, aber ...
    Gehorsam war in meiner Kindheit und Jugend ein einschränkender, erstickender Zwang und vorauszueilen bedeutete sehr bald, schneller sein zu müssen als die Anderen, um zu verhindern, dass ...
    "Die Krise" dagegen lernte ich zu lieben, als mir erklärt wurde, dass sie nicht "Einsturz und Zusammenbruch", sondern "Wendung" (für mich damit Chance) bedeutet.
    Hatte deine fb-Freundin nicht doch (das) Recht, ihren Unmut zu äußern, der nicht persönlich (Du bist krank!), sondern allgemein - Das ist krank... - und mit einem einleitenden "Entschuldigung" formuliert war?
    Anders, verblümter, formuliert wäre es vermutlich nicht so deutlich geworden, dass sich jede*r fragen muss/sollte: Wem nutzt meine Rücksichtnahme wirklich?
    Letztlich hast du dich in ihrer "Ansage" gespiegelt und ich habe mich in deinen Gedanken gespiegelt, lächelnd darüber, dass ich für mich sagen konnte: Diese - meine! - gehorsam vorauseilende "Opferbereitschaft" habe ich (bis auf tolerable) Ausnahmen überwunden ..., weil ich eine Freundin habe, die mir genauso unverblümt im direkten Gespräch/ am Telefon/ per Brief immer wieder sagte:"Entschuldigung, aber ... du spinnst! ... wem willst du damit gefallen? ... das ist doch bescheuert!" In Gedanken habe ich ihr gerade gedankt und danke dir hier für diesen Austausch. �