21.3. - 10:00 - Entschleunigung

Bis gestern meinte ich noch, dass die derzeit so viel gepriesene „Entschleunigung“ nur den anderen gehört. Jenen, die sich jetzt Zeit nehmen können für Zeitung und ausgiebige Rituale. Was war ich neidisch auf diese entschleunigten Menschen! Wie sicher war ich, dass Entschleunigung für mich erst wieder möglich ist (und dringend nötig sein wird!), wenn die Kinderbetreuungsstätten wieder geöffnet haben. Und dann, heute Vormittag: Ich bitte Erika, mir ein Gummiringerl zu bringen. Sie holt es, steckt ihre kleinen Kinderfinger durch den Ring, fädelt die Finger hochkonzentriert wieder aus, überreicht mir den Ring schließlich wie eine Kostbarkeit. Ich schaue ihr zu, bei jeder Bewegung. Registriere ihr Mienenspiel. Freue mich ehrlich, dass sie nicht nur ein, sondern sieben Gummiringe gebracht hat. Noch sechs Mal dasselbe Spiel. Entschleunigung muss nicht heißen, kaum etwas zu tun. Ich kann das, was ich tue, langsamer tun. Vielleicht merkt man es von außen nicht einmal, dass etwas anders ist. Aber innen, da drinnen in mir, fühlt es sich ganz anders an. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Judith Manok-Grundler (Samstag, 21 März 2020 13:53)

    Liebe Barbara,
    oder ich kann es - ganz genauso, wie Sie es beschreiben - achtsamer tun. Genauer hinschauen, anders wahrnehmen.
    Danke schön und herzliche Grüße
    Judith

  • #2

    Renate (Samstag, 21 März 2020 19:52)

    Ja das ist schön ! Ich kenne das auch - wenn ich dran denke !! ;-)

  • #3

    Maria Herzog (Samstag, 21 März 2020 20:05)

    ja, langsamer --- und IST ES SO WICHTIG, WAS ich grad tue--- viele RADFAHRER sehe ich , aber niemand scheint die wunderbar blühenden SCHWARZDORNBÜSCHE ZU SEHEN,OSTERBLÜTEN---
    in einem Gedicht von Hilde Domin der Satz : ...der Schwarzdorn ist ausser sich vom Tod ins Leben geraten - "jetzt" --- herzlich verbunden Maria