21.3. - 22:00 - Brief an mich

Brief an mich von gestern Nacht. Liebe Barbara, ich will dir auf deine nächtlichen Schattengedanken antworten. Womit? Mit etwas, das dir hoffentlich Mut macht. Es hätte dir auch selber einfallen können. Wie oft habe ich schon davon schwärmen gehört, dass das Blatt Papier ein Proberaum ist, ein Ort der Sicherheit, auf dem man Dinge versuchen kann, die im echten Leben noch zu gefährlich scheinen? Wie oft hast du schon gesagt, dass man Dinge, die man auf Papier geprobt hat, dann auch im Leben eher in die Tat umsetzt? Was ich dir sagen will, ist dieses: Was derzeit passiert, von Bildschirm zu Bildschirm, von Telefon zu Telefon, das ist ein herrlicher Proberaum. Für Beziehung, für Nähe, für Freundschaft und Hilfe. Wir proben all diese Qualitäten, wir üben, sie zu verstärken, sie zu erweitern. Wenn die Besuchsverbote vorbei sind, das dauert ja noch lang genug, dann werden wir Mut getankt haben. Genug Mut, um wirklich anzuklopfen, hinzugehen und Aug in Aug Fragen zu stellen. Sollte es nicht von selbst gehen, dann wird uns die Sehnsucht dabei helfen. Denn die Glücksgefühle der Verbundenheit werden wir nicht so schnell vergessen. Die Bildschirme werden abgedreht. Der Weg zum Du wurde zum vertrauten Weg, den man gerne betritt.

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Kommentare: 3
  • #1

    Renate (Sonntag, 22 März 2020 11:07)

    Liebe Barbara ! Über diesen Brief an dich selbst hab ich mich sehr gefreut ! Du hast dich nicht nur (wieder) am eigenen Schopf "herausgezogen", sondern auch uns, die diesen Text lesen, wunderbare Gedanken und Formulierungen geschenkt. Danke !
    Mir hilft es auch oft, mich im Tagebuch selber anzusprechen. Renate



  • #2

    Renate (Sonntag, 22 März 2020 11:16)

    Und weil dieser gute Blick auf die Zukunft auch darin das Thema ist, hier noch ein Link, den ich gestern bekam :
    https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/
    (Du hast jetzt vielleicht keine Zeit dafür, bei all dem Stress, aber das ist ja auch "irgendwann" noch aktuell, falls es Dir/Euch gefällt )
    Liebe Grüße, alles Gute ! Renate

  • #3

    Rita Zumwald (Sonntag, 22 März 2020 18:44)

    Da wir alle in Isolation leben im Moment, erhält dieses Gedicht wohl eine neue Bedeutung....

    NÄHE
    Nähe spüren – ohne sich nah zu sein
    Im Hier und Jetzt sich finden
    und ehren was ist
    Nähe begrüssen und fühlen und halten
    Ohne Einsamkeit
    Wo auch immer du bist
    Du bist nicht allein
    Lass Leute dir nahe sein
    Auch ohne da zu sein
    Geniesse die Nähe im Herzen
    und fühle Energie
    die dich trägt und hebt
    aus den Tiefen des Alltags
    Lass dich beflügeln und erkenne das Schöne
    das über allem liegt
    und dich beglückt
    in seiner Einfachheit

    © R. Zumwald /01.03.2016