25.3. - 14:15 - Ausnahmezustand?

Ich bin überwältigt davon, wie viele Menschen meine Tagebucheinträge lesen. Heute habe ich mir eine lustige Frage gestellt: Wäre dieses Tagebuch ebenso beliebt, wenn ich es einfach so geschrieben hätte, ohne Corona-Zeit? Ich glaube ja, dass es über das ganz normale Leben auch mindestens drei Mal täglich etwas zu berichten gäbe. Die Einträge würden sich vielleicht gar nicht sehr von denen in meinem Corona-Tagebuch unterscheiden. Ehrlich gesagt habe ich vieles, wovon ich berichtet habe, so oder in abgeschwächter Form auch schon vorher erlebt. Das „ganz normale Leben“: Vielleicht ist es jetzt so interessant, weil es uns gerade alle betrifft.  Weil wir alle kaum mehr etwas haben als dieses ganz normale Leben, diesen unseren hausgebackenen Alltag. Corona ist, so scheint es mir, für viele von uns gar kein Ausnahmezustand, sondern Alltag, Normalität ohne Aus- und Fluchtwege. Es gefällt mir, dass unser ganz normales Leben in dieser seltsamen Zeit zu etwas Besonderem wurde, zu etwas, dem man Beachtung und Aufmerksamkeit schenkt.

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Kommentare: 3
  • #1

    Judith Manok-Grundler (Mittwoch, 25 März 2020 14:36)

    Liebe Barbara,
    Das ist sicher so, dass Corona zum neuen Alltag geworden ist. Und für mich ist der auch wie Alltag - meistens jedenfalls - und ab und zu doch ganz anders. Heute, zum Beispiel.
    Und ja, ich schreibe ebenfalls, von Ihnen angeregt, ein <Corona-Tagebuch>, das auch bald auf meinem Blog erscheinen wird. Es hilft - was ich vom Schreiben ja sowieso kenne. Deshalb Ihnen und uns allen weiterhin gutes Gelingen.
    Sonnige Grüße
    Judith

  • #2

    Christian H (Mittwoch, 25 März 2020 16:06)

    Ich denke auch ohne Corona hätte ich Ihre Mail einfach übersehen....wir sind häufig zu sehr abgelenkt und mit dem Alltäglichen klein-klein beschäftigt.
    Corona hat uns ausgebremst und lässt uns achtsamer werden.
    Bei allen Übel tut uns das auch mal gut.
    Wir werden sehen...

  • #3

    Sigrid (Mittwoch, 25 März 2020 19:54)

    Liebe Barbara, es ist so wunderbar, wie Sie mit Worten spielen und sie kreieren können, Sie geben Dingen/Situationen einen Namen, der ihnen noch gefehlt hat. Die Corona-Gap hat mich gestern den ganzen Tag beschäftigt (wie wir in der Tat alle glauben in derselben Situation zu sein, tatsächlich sind die Umstände aber sehr unterschiedlich) und die Immerhin- und Nanu-Tage wird es jetzt in meinem Leben auch geben. Herzlichen Dank dafür:). Ich freue mich sehr auf weitere Texte aus dem besonderen Alltag! Schönen Abend & lg Sigrid