28.3. - 7:00 - Inventur

Eine kleine Inventur. Bis jetzt: Was will ich mitnehmen aus dieser Zeit der physischen Isolation? Gerne den Rhythmus der Tage, der sich gesucht und gefunden hat. Gerne das Wissen, dass ich tagelang mit meinem Kind spielen kann und dass es ab dem vierten Tag so richtig Spaß zu machen beginnt. Gerne den Menüplan dieser Tage und die Fähigkeit, für eine Woche einzukaufen. Gerne jene Art von Entschleunigung, die ich gefunden habe: Nicht nichts zu tun, sondern das, was ich tue, ein kleines bisschen langsamer zu tun. Die winzige Pause vor der Antwort, das minimale Innehalten vor der nächsten Bewegung der Hand. Was noch? Den täglichen Anruf bei meinen Eltern. Das gemeinsame Schreiben in der Gruppe. Das tägliche Schreiben. Die Kraft, meinem Kind zu sagen, dass etwas Bestimmtes jetzt nicht geht. Den Willen, Streit abzuwenden. Den Entschluss, sich zu umarmen statt böse zu sein. Die Erfahrung, dass ich doch besser früher zum Arzt gehen sollte als (zu) spät. Das Wissen, dass mehr geht als gedacht. Die Bereitschaft, an jedem Tag etwas Besonderes zu entdecken, etwas, das ich lieben kann. Den Willen, Wut und Angst in Worte zu fassen und zu erkunden, woher sie rühren. Die Erfahrung, dass mein Kind zutiefst kooperativ ist. Die Fähigkeit zum Verzicht. Den Willen, anderen zu helfen, wo ich kann. Den Mittagsschlaf. Dir Musik von Vivaldi und Chopin. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Magritmarie (Samstag, 28 März 2020 08:48)

    Liebe Barbara,ich habe Ihr Tagebuch erst gestern aufgeschlagen.Durch Ihren Newsletter bin ich dorthin gelangt.
    Was soll ich sagen?
    Was einst intim gewesen wäre,ist jetzt Trost und Nähe im Herzen.
    Ist jetzt Bewunderung nicht für Leistung,nein,einfach fürs Taggestalten mit Kind,Partner und Kranksein.
    Alles alles Liebe aus Graz von Magritmarie

  • #2

    Renate (Sonntag, 29 März 2020 08:52)

    Liebe Barbara ! Diesen Text möchte ich immer wieder mal lesen, nehme ich mir vor - denn du schilderst darin so schön, worum es im Leben (für mich mehr und mehr) geht, auch wenn meine äußere Situation jetzt eine ganz andere ist - "die winzige Pause " , "das minimale Innehalten vor . ."
    - diese Bereitschaft, immer auch etwas Besonderes, etwas zum Lieben zu entdecken - da gehts lang (auch) für mich, egal, was grad im Konkreten ist ! Danke. Renate