29.3. - 15:00 - Reue

Vor ein paar Tagen habe ich über einen Menschen geschrieben, der mich wegen einer Aktion geschimpft hat, die ich selbst als virologisch und moralisch unbedenklich eingestuft hatte. In meinem öffentlichen Blog auf Facebook gingen daraufhin die Wertungen los. Solidarität mit mir, harte Urteile über den Menschen, der mich gerügt hat, Vorwürfe von Dummheit bis Langeweile bis Selbstgerechtigkeit. Was die Sachlage anging, war ich froh, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe (cum grano salis, ein mögliches Risiko hatte ich tatsächlich übersehen, und ich war froh, darauf hingewiesen zu werden). Was die Urteile über den anderen Menschen angingen, war mir sehr bang und flau und gar nicht wohl. Warum habe ich nicht sofort widersprochen? Weil ich selbst seit Jahren daran gewohnt bin, Urteile auf Facebook zu überlesen und nicht persönlich zu nehmen. Ich habe übersehen und nicht bedacht, dass das nur auf mich zutrifft. Ich bereue, dass ich nicht früher eingeschritten bin. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Renate (Montag, 30 März 2020 16:45)

    Ich glaube, dass jeder Mensch in dem Augenblick, wo er/sie was sagt oder tut, von irgendeiner guten Absicht gedrängt wird. Und ich finde es interessant, mir im Konfliktfall auszudenken, was das gewesen sein könnte. (Wenn ich nicht selbst involviert bin, ist es leichter :-) ) Und auch etwas nicht zu tun hat sicher eine gute Absicht, bewusst oder unbewusst . . .