5.4. - 11:30 - Spiegelbild

Erika hat heute geseufzt. „Mama, warum schaut mir im Spiegel immer nur die Erika entgegen? Es wäre so schön, wenn da einmal der Vivaldi rausschauen würde.“ In Erikas Hörbuch hat Vivaldi rote Haare. Ich habe ihr also vorgeschlagen, sie als Vivaldi zu verkleiden, indem wir ihre Haare rot anmalen (mit wasserlöslichem Ölkreidestift). Das hat Spaß gemacht und Erika zufrieden gestellt. Ich färbe mir meine Haare auch manchmal rot. Und weiß doch: Aus dem Spiegel schaue immer ich. Das heißt auch: Wenn ich nach einfachen, grundlegenden Glücksfaktoren suche, muss ich die finden, die wirklich zu mir gehören. Das ist gar nicht so einfach. „Einfach atmen. Mich an den Knospen erfreuen. Nachts in die Sterne schauen“? Ich bewundere Menschen, die so etwas wirklich froh und glücklich macht. Mein Glück ist ein wenig anders gebaut. Und ehe ich es schreibend erkunde, muss ich mir schwören, nichts zu nennen, das gut klingt, aber einfach nicht stimmt. 

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