9.4. - 13:30 - Wunder

Meine Tochter hat heute mit ihren Playmobil-Figuren gespielt. Dabei habe ich folgenden Gedankengang aus ihrem Selbstgespräch aufgeschnappt: „Dieses Kind ist schon groß, aber es braucht trotzdem noch ein Topfi. Das wundert mich. Das ist ein Wunder. Ha, ein Wunderkind!“ Wow. Seit acht Jahren schreibe ich regelmäßig Kolumnen über Wunder. Da kommt mein Kind und reißt meine bisherige Definition von „Wunder“ mit vier einfachen Sätzen auf wie der Heiland den Himmel. Wunder waren für mich insgeheim immer „besser“ als das Normale. Dazu hätte die Tatsache, dass ein großes Kind noch ein Töpfchen braucht, nicht unbedingt gehört. Was ist der größere Rahmen, in den dieses Wunder passt? Ich habe nachgedacht. Das Wunder ist, dass es auch so ein Kind gibt und geben darf. Dass es überhaupt alles gibt, was es gibt. Dass alles ... nein, nicht gut oder besser ist, sondern dass es überhaupt existiert. Insofern ist auch Corona ein Wunder. Nicht, weil es doch gut ist – oder sich irgendwann als gut erweisen wird. Sondern weil es ist. Und damit Teil des riesigen undurchschaubaren Gefüges ist, das sich Welt und Leben nennt. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Renate (Samstag, 11 April 2020 23:06)

    Dieses Umdenken gefällt mir gut. Und dann fiel mir dazu ein, dass Weisheitslehrer wie Bruder David oder Eckhart Tolle z.B. das auch immer wieder betonen : . . . weil es IST.
    Und danke für den wunder-baren letzten Satz ! Renate