9.4. - 13:50 - Rollenkonflikt

Es gibt Stunden, inzwischen sogar Tage, da habe ich das Gefühl, ich befinde mich im Paradies. Langsamkeit, Zeit zum Spielen, gutes Essen, kein Arbeitsstress, ausreichend Schlaf. Das alles koste ich aus. Und doch fehlt mir manches, das gerade nicht geht. Kino und Auszeit mit meinem Mann, Besuche bei meinen Eltern und bei Freundinnen, die persönliche Arbeit mit Menschen. Zu Beginn der Ausnahmezeit hätte ich gesagt: Ich leide unter dem abrupten Rollenwechsel. Von der berufstätigen Frau mit Kind zur Vollzeit-Mutter. Von der Frau, die privat und beruflich gerne Erwachsenengespräche führt, zur hauptberuflichen Kleinkindpädagogin. Von der Schriftstellerin zur Hausfrau und Köchin. Mittlerweile habe ich meine neuen Rollen liebgewonnen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich sie nach Corona wieder abgeben muss, wird mir weh ums Herz. Ich brauche ein anderes Bild als das der Rollen, sie klingen zu sehr nach Entweder-oder. Das Bild der Saite fällt mir ein: Die Musik meines Lebens ist vielsaitig. Ein paar Saiten sind neuerdings dazugekommen. Vielleicht spiele ich in Zukunft einfach vielstimmiger als bisher?

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