10.4. - 15:00 - Frühling

Warum geht es mir heute so mies? In den letzten Tagen hat es doch so ausgesehen, als hätte ich das, was gerade los ist, endlich liebgewonnen. Tatsächlich habe ich vorgestern „Das wäre nicht schlecht“ gesagt, als meine Tochter fragte, ob die Coronaferien noch zwanzig Jahre dauern können. Ich war mehr mit der Angst beschäftigt, dass das alte Leben wieder zurückwill, als mit dem Status Quo. Vielleicht ist es der Frühling, der mir heute zu schaffen macht. Nicht der im Außen, der mich, schlechte Laune hin oder her, mit Blumenpracht, Wärme und Gartenagenden beglückt. Was mich quält, ist der innere Frühling, der nicht ausbrechen darf. Aus meinen Adern schießt Kraft, Lebenskraft, Gestaltungskraft, Schreibkraft, Beziehungskraft, Kraft, die helfen will, Kraft, die arbeiten will, Kraft, die Neues erleben will und weit nach draußen drängt. Corona zwingt mich, diese Kraft zu bändigen. Ich fühle mich so, als müsste ich die Knospen am Austreiben hindern. Als müsste ich alles, was treibt, zurückstopfen, an allen Ästen, Stängeln und Enden zugleich. Das übersteigt meine Kräfte. Das macht mich ganz wild. Den Frühling aufhalten? Wie soll das nur gutgehen, wie soll das nur gelingen?

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