12. April 2020
Tatsächlich: Es sind die guten Abschiede, nach denen ich mich im Moment am meisten sehne. Damit weiß ich endlich, was mich in den letzten Tagen belastet hat. Danke, lieber Reiter, dass Du das Rumpelstilzchen entdeckt und seinen Namen herausgefunden hast. Wie sieht es in der Onlinewelt eigentlich mit Abschieden aus? Und, vor allem, wie kann man sich sagen: „Wie sehen uns wieder“? Online ist flüchtig. Stete Präsenz ist gefragt, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Darf ich einen Tag...
12. April 2020
Vielleicht geht es heute wortlos weiter. Ich spiele seit gestern mit dem Gedanken, den Blog zu beenden. Vielleicht liegt es am Sonntag. Sonntag ist in meinen Seminaren immer der Abschiedstag. Donnerstag oder Freitag ist meist der Beginn, aufgeregt, tastend. Abends staunen wir, was schon alles geschehen und gelungen ist. Die Tage zwischen Anfang und Ende sind Eintauchtage, da gehen wir von der Leichtigkeit in die Hingabe, in die Auseinandersetzung mit Aufgaben, die gerade im rechten Maß...
11. April 2020
Heute habe ich zum ersten Mal keinen Eintrag in meinen Blog geschrieben. Ich habe mir, nach dem gestrigen Zeugnis, offenbar Semesterferien gegönnt. Vor allem war ich so zufrieden mit mir und der Welt, dass es einfach keine Worte gebraucht hat. Kuchen backen, Steuerbelege sortieren, kochen, dazwischen lachend chinesisch reden (Erika ist der Wunderkind-Phase entstiegen und will jetzt "Schingschong Wong" aus einem Bilder ... äh: Bildelbuch spielen). Unser liebstes selbst erfundenes Wortspiel:...
10. April 2020
Mein Corona-Semester-(oder Trimester?)-zeugnis: Hingabe: Befriedigend. Kreative Bewältigungsformen: Sehr gut. Struktur und Verlässlichkeit: Sehr gut. Kulinarik: Ausgezeichnet. Formulieren von Bedürfnissen: Gut bis befriedigend. Abgrenzung: Gut. Authentisches Empfinden: Sehr gut. Bereitschaft zur Selbstschau: Sehr gut. Spiel: Befriedigend. Spaß: Mangelhaft. Bewegung: Nicht genügend. Annehmen von Hilfe: Noch in Entwicklung, derzeit knapp genügend. Pflichterfüllung: (Zu) gut. Bereitschaft...
10. April 2020
Ich will den Tag nicht düster zu Ende gehen lassen. Obwohl er sich nicht fundamental erholt hat. Immerhin, der Beschwerdezorn des Vormittags hat sich gelegt, weil er ohnehin nichts bringt. Ich habe mich dem Tag ergeben, habe nichts mehr von ihm erwartet. So sind wir letztlich ganz gut miteinander ausgekommen, er und ich. Er hat mich nicht weiter enttäuscht. Und ich habe ihm keine Vorwürfe mehr gemacht, er kann ja auch nichts dafür, dass er ausgerechnet in diesem seltsamen April gelandet...
10. April 2020
Vielleicht ist der Grund für meine Verzweiflung aber auch ganz banal. Der Rhythmus, den wir seit drei Wochen gefunden und gepflegt haben, jener Rhythmus, der uns körperlich zur Erholung kommen ließ, wurde gestern unterbrochen. Unser Mädchen konnte mittags nicht einschlafen, war am Nachmittag grantig, schlief schlecht in dieser Nacht, wachte zu früh auf und war heute Vormittag nicht die einzige, deren Laune nicht in Höchstform war. Vielleicht habe ich doch keine spirituelle Krise....
10. April 2020
Warum geht es mir heute so mies? In den letzten Tagen hat es doch so ausgesehen, als hätte ich das, was gerade los ist, endlich liebgewonnen. Tatsächlich habe ich vorgestern „Das wäre nicht schlecht“ gesagt, als meine Tochter fragte, ob die Coronaferien noch zwanzig Jahre dauern können. Ich war mehr mit der Angst beschäftigt, dass das alte Leben wieder zurückwill, als mit dem Status Quo. Vielleicht ist es der Frühling, der mir heute zu schaffen macht. Nicht der im Außen, der mich,...
10. April 2020
Mein Grundgefühl ist heute das der Anklage. Die ganze Zeit gehen mir Beschwerdegedanken durch den Kopf. Ich schimpfe mit irgendwas, mit irgendwem. Formuliere Reklamationsschreiben, die klar und entschieden die Rücknahme der gelieferten Ware fordern. Corona entspricht doch nicht meinen Wünschen. Es weist schwere Mängel auf. Es entspricht nicht dem, was ich mir erwartet habe. Es produziert Kurzschlüsse, enthält Schwermetalle, lässt sich nicht zu einem Ganzen zusammenbauen, ist optisch...
10. April 2020
„Heute gehen mir die Worte aus. Kann man auch mit Worten fasten?“, hat eine Schreibkollegin heute in meiner Online-Schreibgruppe gefragt. Ich freute mich, als ich diese zwei Sätze las, da fühlte ich mich gleich weniger allein. Auch aus mir wollen heute keine Worte kommen. Schon seit gestern schweigen sie still. Ich könnte ja einfach einmal schreibfasten. Ja, gestern Abend hat das gepasst, da war die Stille satt und sonnenaufgetankt. Heute ist sie anders, heute quält sie mich. Heute ist...
09. April 2020
Immer wieder höre und lese ich von der Angst, dass gewisse Reflexe aus der Corona-Zeit erhalten bleiben könnten - insbesondere der Reflex, auf Abstand zu gehen und Berührung Umarmung und Nähe zu vermeiden. Ich selbst habe ja auch schon über diese Sorge (und die bestätigenden Berichte aus China) geschrieben. Ich hoffe, dass es nicht so kommen wird. Andererseits bemerke ich ein paar Reflexe, die ich mir neu angewöhnt habe und die ich eigentlich ganz gerne behalten würde: Das Hinterfragen...

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